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Wenn die Zeit gefriert – vier Momentaufnahmen

Ich liege im frischen Sommergras, es duftet nach Erde und über mir sprenkelt die Sonne durch die Blätter einer alten Eiche. Der botanische Garten ist ein guter Ort, um sich einem Moment der Achtsamkeit hinzugeben. Die Hasenfamilie lugt aus dem Gebüsch hervor, jederzeit bereit sich in das schützende Gestrüpp zurückzuziehen. Die Wolkenschleier ziehen gemächlich vorbei, nur unterbrochen vom Geäst des Baumes über mir. Eine Ameise hat sich auf mir verirrt, aber ich nehme sie kaum wahr. Ich fühle mich frei, die Zeit hat keine Bedeutung. Ich setze mich auf, grade als eine junge Frau vorbeiläuft. Sie sieht schick aus, hat einen kurzen Sommerrock an und einen etwas anmutigen Schritt. »Hallo«. Meine Augen ruhen auf ihr, entspannt und ruhig. Sie ist hübsch. Sie schaut mich verwundert und irritiert an, fast erschrocken. Einen Moment bleibt sie unschlüssig stehen, schaut verunsichert, fast ängstlich. Sie geht weiter, schaut sich beinahe noch einmal um, verliert ihren anmutigen Schritt und torkelt beinahe auf den Rand der Lichtung zu. Erwidert hat sie nichts, schade.

Star Bucks. Es duftet nach geröstetem Kaffee. Das Gemurmel der Menschen mischt sich mit der Geräuschkulisse der Kaffeemaschinen. Ein Mann steht vor mir in der Schlange, vermutlich um die vierzig. Er trägt eine Sonnenbrille um den Hals, hat schütteres graues Haar und hält ein Plastikstück seines Pullovers in der Hand – und spricht hinein. Er sieht mich nicht. Ich höre nicht, mit wem er spricht. Ich höre nicht, was er spricht. Aber er spricht weiter, unbeirrt. Ich überlege, ob ich ihn fragen soll, wer denn dort am anderen Ende der Leitung ist, aber ich entscheide mich, ihn nicht zu stören. »Psycho«, flüstert eins der Mädchen, die an ihm vorübergehen. Noch jemand, der beobachtet. Vielleicht ist er ja vom KGB, denke ich mir. Im nächsten Moment muss ich lächeln.

Ich sitze an der Düsseldorfer Universität. Ein strahlend blauer Himmel erstreckt sich über die Gebäude, die mich umgeben. Auf dem Vorplatz hechten Studenten umher, man hat den Eindruck sie müssen einen Marathonlauf gewinnen. Ich schaue dem Schatten der Gebäude zu, der sich langsam vorwärts müht. Aus der rastlosen Menge taucht plötzlich ein Mensch auf. Ich spreche sie an, und sie setzt sich zu mir. Wir beobachten einen Augenblick wortlos die bunten Flecken vor uns. Dann begann die Studentin, mich zu spiegeln. Wir unterhielten uns über einige Dinge, über das Universum in jedem Menschen, über Zeit und Raum. Wir ließen uns Zeit dabei. Sie hatte eigentlich nicht viel getan, sie hatte nur zugehört und ich hatte nicht viel gesagt. Als wir uns trennen, meint sie, es sei interessant gewesen mich kennen zu lernen. In ihren Augen sehe ich eine Bewunderung, die mich etwas erschreckt. Mein Spiegelbild lächelt mich an und geht zurück in die Vorlesung. Ich bleibe noch lange sitzen.

Der Sommerregen trommelt auf das Vordach, die Hitze ist drückend.


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